Skihochtouren im Mont-Blanc-Gebiet
Tagebuch einer gelungenen Sektionstour

Wir waren sechs Tage zwischen den höchsten Alpengipfeln unterwegs. Wer Interesse daran hat, wie wir diese Zeit erleben konnten, blättert das Tagebuch durch.

Freitag
Anfahrt
unsere erste Unterkunft

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Samstag
Col du Tour Noir
die Argentierehütte

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Sonntag
1. Teil der Haute Route
auf dem Weg zum Fenetre da Saleina

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Montag
Cabana du Velan

kurz unter der Cabana du Velan

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Dienstag
Mont Velan
auf dem Gipfel des Velan

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Mittwoch
Heimreise
ein zufriedener Albert

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Freitag:

Mit etwas Geduld bekommen wir in Martins VW-Bus alles unter, was wir sieben Skibergsteiger für die nächste Zeit brauchen. Denn jeder hat neben der Skiausrüstung einen Riesenrucksack und eine große Reisetasche dabei. Die Fahrt geht zunächst durchs Inntal, dann durch den Arlbergtunnel und an Bern vorbei quer durch die gesamte Schweiz. Die Schafkopfrunden sind so spannend, dass niemand so richtig auf den Weg achtet. Erst in Lausanne bemerken wir, dass wir uns verfahren haben. Doch die 10-Stunden-Fahrt ist dank der gemütlichen Tischrunde im Bus so abwechslungsreich, dass 50 Kilometer Umweg nicht stören. 

Am Col des Montets hätte der Mont Blanc das erste Mal grüßen sollen, doch er versteckt sich bereits hinter dichten Wolken. Auf Anhieb finden wir die urige Auberge la Boerne kurz vor Argentiere, in der ich für die erste Nacht gebucht habe und fahren sofort zu einem Stadtbummel nach Chamonix weiter. Gerade jetzt muss es zu regnen anfangen! Natürlich ist das Bergsteigerbüro unser wichtigster Anlaufpunkt. Über Computer kann sich dort jeder selbst den Wetterbericht ansehen und der meint, dass es morgen gegen 10 Uhr aufreißen könnte.

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Samstag:

Keiner kann an die Wettervorhersage glauben: den ganzen Abend und die ganze Nacht hat es geschüttet! In den angepeilten Höhen würde dies erhöhte Lawinengefahr bedeuten. Uns kommen echte Zweifel. Sollen wir gleich wieder heimfahren oder doch noch einen Tag abwarten? 

Etwas unwillig machen wir uns doch fertig und siehe da: an der Seilbahn lugt bereits die Sonne aus dichten Wolken hervor. Wir reihen uns in die lange Schlange der Pistenskifahrer ein und warten auf die Auffahrt zur Aiguille des Grand Montets (17 Euro). Die Nebel reißen mehr und mehr auf und zum Schluss steht sogar der Mont Blanc im gleißenden Sonnenlicht. 

Eine Neuschneeabfahrt in den Argentierekessel ist der Auftakt unvergesslicher Tourentage. In einer Arena aus Granitnadeln und Eiswänden ziehen wir unsere Spur in Richtung Argentierehütte, die wir jedoch im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen. Unterhalb der Hütte geht’s gleich Richtung Südosten weiter. Einer frischen Aufstiegsspur folgend nähern wir uns am Nachmittag unserem ersten Ziel, den Col du Tour Noir (3534 m). Der Wind vertreibt uns bald aus dieser Scharte. Erst weit unterhalb, nach einigen Pulverschneehängen, setzen wir uns zur „Gipfelrast“ gegenüber den Zacken von les Droites , les Courtes und Aiguille de Triolet mit ihren Eiscouloirs. Später in der Argentierehütte sind wir froh, dort rechtzeitig unser Kommen angekündigt zu haben. Sie ist bis zum letzten Platz ausgebucht, unser Lager und unseren Platz im Gastraum bekommen wir aber.

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Auf der Aiguille des Grand Montets mit Dru und Mont Blanc

Aufstieg im Argentierekessel

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Unterhalb der Hütte (Materialdepot)

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Ausblick auf Aiguille Verte usw.

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Bei der Abfahrt vom Col du Tour Noir

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Die Argentierehütte

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Sonntag:

Sollen wir nicht dieses herrliche Wetter für den Übergang ins Val d Entremont, dies ist die erste Etappe der Haute Route, nutzen? Unser in der Vorplanung zunächst angepeiltes Ziel, die Aiguille d Argentiere erscheint uns (bzw. mir) doch etwas zu riskant. Das Gipfelcouloir war tags zuvor als reinrassige Eistour in Blankeis zu erkennen gewesen, also keine Sektions-Skitour! 

Um 6 Uhr starten wir deshalb in Richtung Col du Chardonnet und erreichen diesen markanten Übergang kurz hinter einer Gruppe Japaner, deren Bergführer uns sogar anbietet, an seinem Seil die steile und enge Nordostrinne abzufahren. Nun versuchen wir, auf dem nun folgenden Glacier de Saleina so wenig wie möglich an Höhe zu verlieren. Denn nach kurzer Rast geht’s gleich, die letzten 50 Höhenmeter sehr steil, ins Fenetre de Saleine rauf. Die Spur unseres nun schon bekannten und freundlichen Bergführers hilft uns dabei sehr. 

Nun kommt der Abschnitt, vor dem ich in der Planung etwas Angst hatte: das Plateau du Trient. Bei Nebel sicher eine Mausefalle, aber bei unserem Traumwetter ein Genuss. Bei der Schussfahrt wundern wir uns, dass keine einzige Spur zur geöffneten Cabana du Trient rübergeht. Wir wollen uns aber auch nicht aufhalten und schwingen gleich weiter in Richtung unseres letzten Übergangs, des Fenetre du Chamois (auf schweizerisch: Gemsenfenster). Die Spuren unserer Vorgänger (-fahrer) steuern aber nach links durch die Gletscherbrüche zum Col des Ecandies runter. Voller Begeisterung durchpflügen wir den Steilhang, bis der Kaiser Sepp einen Schwung zu spät ansetzt, auf einer Eisplatte ausrutscht und in einer Gletscherspalte verschwindet. Wie erleichtert wir alle sind, als wir von ihm tief unten eine Antwort auf unser Rufen hören, kann sich jeder vorstellen! Es dauert nicht lange und wir haben ihn am Seil wieder ans Tageslicht befördert. Hätte dumm ausgehen können! 

Der Abschluss durch das Val d Arpette nach Champex ist ein Genuss, zuerst Pulver und dann Firn auf fester Unterlage, nichts von dem dort üblichen Sulz. Es ist ja auch erst kurz nach Mittag. Kurz vor dem Gasthaus Arpette ist es mit der Herrlichkeit aus und wir schnallen die Ski an die Rucksäcke. Während wir in Champex einkehren, holt Martin per Anhalter seinen Bus in Argentiere, mit dem wir dann nach Bourg St. Pierre weiterfahren können. Nach zwei Tagen ohne Wasser freuen wir uns auf die Dusche in unserem sauberen Hotel du Cret (empfehlenswert!).

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Aufstieg zum Col du Chardonnet

Steilabfahrt vom Col du Chardonnet

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Aufstieg zum Fenetre da Saleina

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Linkes Bild:
Hier holen wir den Sepp aus der Randkluft 

Rechtes Bild:
Gott sei Dank, alle sind heil angekommen

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Montag:

Nun heißt es zuerst einmal Ski tragen! Mit den Begehern der Haute Route geht’s ins Valsorey rein, bis sich nach halber Wegstrecke an der Schneegrenze unsere Wege trennen. Diesmal wollen es Albert und Martin wissen und erreichen nach nicht einmal 2 Stunden die neue Cabana du Velan (übliche Normal-Westalpenzeit mind. 4 Stunden). Diese Cabana du Velan ist faszinierend: Wie ein Schiffsbug reckt sie sich auf einem Moränenrücken dem Tal entgegen.

Der Wirt teilt uns ein sauberes, geräumiges Zimmer zu und schon sind wir wieder unterwegs. Die unberührten Hänge oberhalb der Hütte sind zu verlockend, als dass wir den Tag vertrödeln könnten. Albert und Martin schaffen noch einen Gipfel im Kamm zwischen Petit Velan und Aig. du Velan. Wir anderen begnügen uns damit, die für Normalskifahrer noch möglichen Hänge zu befahren. Die restliche Zeit „spielen“ wir in einem Gletscherbruch. Die Handhabung von Seil, Steigeisen, Pickel und die Spaltenbergung kann nicht oft genug geübt werden! Abends kocht uns der Wirt ein Drei-Gänge-Menü und zur Verdauung gibt’s von ihm spendiert noch einen Kräuterschnaps als Dreingabe. Und dies alles auf einer Aussichtsloge gegenüber dem Grand Combin, dessen Mächtigkeit von aufsteigendem Nebel noch verstärkt wird. Mittlerweile werden wir über Telefon von einem zuhause gebliebenen Teilnehmer über die aktuelle Wettertendenz informiert. Es soll nur noch einen Tag schön sein, melden die Wetterfrösche.

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Kurz vor der Cabana du Velan

Kletterübungen im Eisbruch  zum vergrößern auf Bild klicken

Aussicht von der Cabana du Velan (eine Wucht!!)

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Dienstag:

Ein Traumtag kündigt sich wieder an. Als letzte verlassen wir unsere Schlaflager und können in aller Ruhe alleine ohne der auf Hütten üblichen Hektik unser Frühstück genießen. Die Sonne rötet bereits den Gipfel des Mont Velan, als wir den anderen Skibergsteigern folgen. Am Col de la Gouille haben wir sie eingeholt. Nach der Scharte in der Sonne stehend glauben wir zunächst, warten zu können, bis ein Bergführer seine Schäflein am Seil runtergesichert hat. Doch dies dauert uns entschieden zu lange und wir stapfen in griffigem Schnee neben den anderen zum Gletscher hinunter.

Nun heißt es aufpassen: erst vor 4 Tagen ist hier, erzählte uns der Wirt, einer in eine Gletscherspalte gefallen. In angenehmer Steigung geht es nun den Glacier de Valsorey weiter. Mit einer kleinen Pause erreichen wir bereits nach etwa 4 Stunden die flache Gipfelkuppe und können eine Aussicht genießen, die für einen 3734 m hohen Berg einzigartig sein dürfte. Von den Walliser Bergen (Weißhorn, Dom, Matterhorn usw.) reicht die Sicht bis zur Dauphine (ob die Freunde wohl dort sind?). Unmittelbar uns gegenüber befindet sich im Osten der Grand Combin, der das Berner Oberland verdeckt und im Westen der Mont Blanc. Die Abfahrt über den gesamten Gl. de Valsorey entpuppt sich als ein wahrer Leckerbissen. Zum Schluss eine einzige, ebene, unberührte Fläche mit 3 cm Firnauflage. So könnte es bis zum Auto weitergehen. An der Schneegrenze holen wir uns den ersten Sonnenbrand am ungeschützten Oberkörper und können eine gute halbe Stunde später im Gras auf unser Auto warten, das für uns der Berger Sepp holt. 

Was sollen wir nun machen? Das Wetter ist fantastisch! Aber die Aussichten alles andere als dafür angetan, den Mont Blanc in Angriff zu nehmen. Bis Martigny müssen wir sowieso fahren. Dort rufen wir den Wetterdienst Innsbruck an und der erklärt uns klipp und klar, dass für die Westschweiz und erst recht für das Mont-Blanc-Gebiet am Mittwoch ab Mittag ein Wetterumschwung bevorsteht. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf und biegen in Sierre rechts ab nach Zinal. Das Bishorn, unser Alternativ-Viertausender, wird doch noch gehen. Nach langen Diskussionen wird beim Abendessen aber erkannt, dass 2600 Höhenmeter bis Mittag nicht zu schaffen sind. Wir entschließen uns zur Heimfahrt.

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linkes Bild:
Aufstieg mit Steigeisen über den Col de la Gouille

 

rechtes Bild:
Am Gipfel des Mont Velan

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Mittwoch:

Nach gemütlichem Frühstück geht’s ab Richtung Heimat. Bereits bei der Furka-Bahnverladung fallen die ersten Regentropfen. Auch die letzte Alternativ-Skitour am Oberalppaß muss gestrichen werden. Gott sei Dank hat der Wetterbericht recht, denken wir und fahren in der Gewissheit, keine falsche Entscheidung getroffen zu haben, über Arlberg-Innsbruck nach Hause, wo uns die nächsten Tage Föhnwetter einen angenehmen Urlaubsabschluss beschert. In den Medien können wir verfolgen, wie das Wetter verrückt spielen kann: in der Schweiz fällt in einer Nacht so viel Regen wie sonst in einem Monat. Und am Mont Blanc werden 12 Polen auf über 4000 Meter für mehrer Tage eingeschneit, ein Hubschrauber muß sie retten.

Diese sechs Tage waren ein Erlebnis! Die Bilder, aufgenommen von Martin, können nur zum Teil die Stimmungen wiedergeben.

Jeder erfüllte Bergtraum gebärt 2 neue, habe ich einmal gelesen. So ist es auch diesmal. Vielleicht finde ich nächstes Jahr wieder so eine Gruppe, die eine alternative Haute Route abseits der ausgetretenen Wege mitgeht.

Teilnehmer: Sepp Berger, Patting; Robert Hanisch, Siegsdorf; Sepp Kaiser, Trostberg; Albert und Martin Staller und Herbert Stutz, Oberteisendorf; Alois Herzig, Waging (Tourenleiter)

Bericht: Alois Herzig
Fotos: Martin Staller

Anmerkung: Wiederholer dieser Touren verweise ich auf die in der Tourenplanung vorgestellten Details (Telefon-Nummern der Hütten usw.).

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aktualisiert: 28.12.04 A.H.

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