Wo sich der Teufel und die Hexen treffen.
Tourenwoche vom 05. bis 12. Juli 2003 im Sarntal/Südtirol


Mit dem Quartier im Bergerhof in Unterreinswald hatten wir es nicht schlecht getroffen, das Haus war neu renoviert, das Essen war schmackhaft, meist deftig und reichlich. Auch schön getrennt nach Teisendorfer und Waginger konnten wir 21 Teilnehmer die Tische belegen, welch ein Novum!

Am ersten Tag stand das Latzfonser Kreuz auf unserem Tourenplan: Oben in Reinswald gibt es eine Kabinenbahn auf die Pichlberg-Alm (2150 m), den Ausgangs-ort unserer Kammwanderung über Pichlberg und Blankenhorn (2589 m). Da wir den Abstieg verfehlten, war der obere Teil  zum Lückl sehr grasig und arg steil. Am Lückl erlebten wir zum erstenmal das einmalige Bergpanorama  von der Plose bis zum Plattkofel, ein Eindruck, der sich in den folgenden Tagen in Variationen wiederholte. Am Latzfonser Kreuz gab es dann Labung für Seele und Leib – und viele Leute, es war ja Sonntag.

Steil ging es vom Hotel hinauf zur Gschwendt-Alm, so steil, dass wir den Wegabzweig übersahen und uns mächtig verirrten. Wir suchten im Wald und fanden, wir waren selbst überrascht, den richtigen Weg zum Schwarzsee (2050 m). Da trafen wir auf eine erregte Kuh mit abgebrochen Horn, die eine Gesichtshälfte voller Blut. Der alte  Senn, den wir dann am Steig zur Kapelle „Zum Toten“ (2186 m) davon in Kenntnis setzten, meinte: „Da muss ich zum Desinfizieren den Obstler mitnehmen“. Auch auf den Totenrücken wieder das gestrige Panorama über die Villander Alm hinweg.

Vom Lückl 2378 m zum Latzfonser Kreuz 2302 m
Im Hintergrund: Plose, Fanes-Gruppe, Peitlerkofel, Rueffenberg, Kreuzkofelgruppe, Geislergruppe

Schon seit Tagen war der Treffpunkt der Südtiroler Geister im Gespräch. Vor allem Ludwig war daran interessiert. Heute wollten wir uns diesen geschichtenträchtigen Ort ansehen. Mit dem Auto ging es über Sarnthein zur Sarner Schihütte (1640 m), von da war es nicht mehr weit auf das Schöneck ( 2003 m) mit den, ich glaube, hunderten von Stoarnernen Mandln auf dem gerundeten Bergkegel in den Weiten der Auener Alm. Hier soll  vor nicht zu langer Zeit noch der leibhaftige Teufel bei Vollmond mit den Hexen seine Orgien veranstaltet haben. Dabei wurden auch aus dem Tal entführte Säuglinge gebraten und verspeist. Schaurige Geschichten von einem aussichtsreichen Berghügel im Zentrum der Sarntaler.

Viele verschiedene  Wandergruppen bildeten sich heute, die der Eifrigsten wanderten über das Kreuzjoch (2086 m) und die Meraner Hütte wieder zurück zum Auto.

Vom romantischen Durnholz zur Flaggerscharte waren am Mittwoch fast alle auf den zügigen Anstieg unterwegs. Manche hatte so ihre Mühe, aber letztlich waren wir auf der Flaggerschartenhütte (2484 m) wieder alle beim Jausen zusammen. Sieben  stiegen noch auf die Jakobsspitze (2742 m). Beim Abstieg regnete es für eine viertel Stunde, das einzige mal in dieser Woche.

Eigentlich war die Strecke auf das Penser Joch (2211 m) nicht gerade kurz. Aber mit dem Auto waren wir schnell oben. Während drei Leute unbedingt auf das Weißhorn (2705 m) wollten, wanderten wir anderen zum Astenberg (2327 m) und machten uns einen gemütlichen Tag mit abschließenden Kaffeeklatsch auf der Terrasse des Penser Hofes in Pens.

Die Stoanerne Mandln auf den Schöneck 2003 m

Der letzte Tag war wiederum ein sonniger Tag. Über Aberstückl zum Windlahner-Hof  fuhren wir taleinwärts und hinauf ging es entlang des Sagbachs, vorbei an Durralm und Kaserhütte, über abschüssige Geröllsteige, Almstraßen und Bäche zum Missensteiner Joch (2128 m) auf Meran 2000. Da gab es plötzlich wieder viele Wanderer und sogar Mountainbiker waren da heroben. Wir aber verzogen uns  hurtig auf dem Europäischen Fernwanderweg  Nr. 5 in Richtung Hirzer. Am romantischen Kratzberger See war Mittagspause. Da hatte  Josef (76) mit seiner überschüssiger Kraft auch noch  Gelegenheit zum Bouldern an dem riesenhaften Findling. Den Hirzer (2781 m), höchster Berg der Sarntaler, sahen wir nur von unten, denn nicht nur die Zeit fehlte uns zu einer Ersteigung, auch die Anteran-Alm zog uns mächtig an mit Wein, Speck und prächtiger Stimmung. Der steile Abstieg verschaffte Marille noch ein unfreiwilliges Bad im sprudelnden Anteran-Bach. Trotzdem kamen wir alle  trocken nach Hause.

Eine herrliche Bergwoche haben wir da erlebt. Daran werden sich viele noch lange erinnern.

Fritz Graml

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aktualisiert: 10.12.04 A.H.

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