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 Wetterglück pur auf der Brancahütte
(18. – 23.4.2010)

So stellen wir uns eine gelungene Skiwoche vor: Bei der Anfahrt Schneefall, aber bitte wegen der damit verbundenen Lawinengefahr nicht zu viel. Dann jeden Tag strahlend blauen Himmel mit der Möglichkeit, zwischen Pulverschnee- und Firnabfahrten zu wählen. Und am letzten Tag kann Nebel einfallen. Gibt es das? Ja, so wars im Gebiet des Fornogletschers in der südlichen Ortlergruppe während unserer AV-Tour Mitte April.

Bei der Anfahrt am Sonntag hatte Anderl schon Bedenken, mit seinen Sommerreifen zwischen Livigno und Bormio im Schnee stecken zu bleiben. Aber die Straßen waren frei und bei unserem Abmarsch an der Fornihütte hörte es zu schneien auf. Eine gute Stunde später konnten wir auf der Brancahütte ein Zweibett- und ein Sechsbettzimmer beziehen, das größere mit Dusche/WC und Balkon. Die Berge waren noch wolkenverhangen und auf den Tischen vor der Hütte hat uns ein Schneemann begrüßt.


Trostloser erster Eindruck

Das Tor zum Skitourenparadies

Ein Schneemann empfängt uns

Wir begannen die Tourenwoche mit einem feinen und reichlichen Abendessen. In dieser Beziehung hat sich seit 17 Jahren, als ich zuletzt hier übernachtete, nichts verändert. Am Montag machten sich auflösende Nebelschwaden die Sicht zu unseren Zielen frei. Vollkommen unberührte Skihänge direkt vor der Haustüre, die Entscheidung fürs erste Ziel viel schwer. Wir nahmen gleich den markantesten Gipfel, die Punta San Matteo in Angriff. In frischer Aufstiegsspur erreichten wir mit einigen anderen den Gipfel und konnten bei der Abfahrt zwischen Gletscherbrüchen in einem Pulverschneetraum schwelgen. Solche Bedingungen, vergleichbar mit Heliskiing in Kanada lockten zu einem zweiten Anstieg.


Wir gehen angeseilt

Riesige Gletscherbrüche

Am Gipfel des Punta San Matteo

Sicht zu unseren nächsten Zielen





Anderl kanns!

Unsere Spuren, auch von der Hütte zu sehen!

Abenstimmung, "unser" Berg

Diesen zweiten Anstieg vergönnten wir uns am nächsten Tag nochmals unterhalb des Pizo Tresero. Unsere Vorgänger hatten uns noch reichlich Platz für eigene Spuren in unberührtem Pulver gelassen, so dass wir nicht der Versuchung wiederstehen konnten, unsere Bögelchen auch dort zu hinterlassen. Eine Steilrinne bildete den Abschluss dieses Tages, am linken Rand Pulver, am rechten Firn.


Auf dem Weg zum Pizo Tresero



beeindruckendes Gipfelkreuz

Bei der ersten Abfahrt

Auch das gehört dazu!

In der Halfpipe gegenüber der Hütte

Der nächste Tag sollte die Königsetappe sein. Um der Hektik beim Frühstück und beim Weggehen zu entgehen, standen wir wie jeden Tag als letzte auf und gingen als letzte von der Hütte weg. Dennoch gelang es zumeist, alle anderen Tourengeher zu überholen. Zügig erreichten wir den Palon de la Mare, bevor wir, wieder in fast unberührtem Pulver, in einen Kessel unterhalb des M. Cevedale abfuhren. Der Gegenanstieg war zäh und auf dem 3769 m hohen Gipfel blies ein heftiger Sturm. Die Abfahrt Richtung Casatihütte war mit Skiern ab dem Gipfel möglich. Normalerweise müssen in diesem Abschnitt Steigeisen angelegt und es sollte mit Seil gesichert werden, wir schafften es mit den Skiern an den Füßen. Über den mit Spalten zerrissenen Cedecgletscher fuhren wir direkt zur Pizzinihütte ab. Erst nach 10 Stunden erreichten wir wieder unsere Brancahütte, geschafft von der Anstrengung aber äußerst zufrieden über die gelungene Tour.


Zeit lassen!

vereister Hang

alles nur für uns da!

die letzten Meter zum M. Cevedale

Der Wind reißt einen fast um!

Hier heißt es in der Spur bleiben

Warum solls nicht einmal ein ruhiger Tag sein? Den vergönnten wir uns am Donnerstag mit einem bequemen Anstieg zum Monte Pasquale, ein Aussichtsberg inmitten der Ortlergrößen zwischen Königsspitze, Monte Cevedale und dem Fornokessel. Zwei Stunden Gipfelrast reichten fürs auffirnen aus. Bereits am frühen Nachmittag saßen wir nach einem Firntanz auf glatten, ideal geneigten Skihängen beim Cappuccino vor der Hütte und genossen den nun schon vierten wolkenlosen Tag.



Gleich sind wir in der Sonne

die letzten Meter, hinten der M. Cevedale

sogar der Biancograt ist zu sehen (links)

Prost! So ein Gipfelschnaps tut gut

da kommt Freude auf!

ein Grapaski der ganz besonderen Art

Für den Abschluss konnten wir uns wegen der weiten Heimfahrt nicht mehr viel vornehmen und ließen uns Richtung Piz Cadini treiben. Diffuses Licht versprach nichts Gutes und beim Blick Richtung Süden in die aufsteigenden Nebelschwaden entschlossen wir uns beim Meneghello-Biwak zur Umkehr. Wolken behinderten bereits die Sicht im Gipfelbereich. Dennoch gelang noch eine kleine Abfahrtsvariante und wir erreichten in zum Schluss noch gut zu fahrenden Firn die Hütte. In bleibender Erinnerung wird mir das Geburtstagsständchen vor der Biwakschachtel und die Flasche Rotwein dazu bleiben.



Nebel zieht auf

Wir hätte alle in der Biwakschachel Platz

Die letzte Abfahrt, dem Nebel davongefahren

Dieses Wetterglück kann’s nur einmal geben! Eigentlich sollte ich nun mit der Leitung solcher Skihochtouren aufhören, denn schöner können sie nicht mehr passen: die Hütte, das Wetter und nicht zuletzt die Teilnehmer. Ich kann beim besten Willen keinen Wermutstropfen im Verlauf dieser Tage finden. Mein Dank gilt allen:
Lidwina, Annemarie, Herbert, Sepp K., Sepp Ö. (unser Snowbordfahrer), Robert und Anderl.


Alois Herzig als Tourenleiter, Schreiberling und Fotograf
Die genauen Tourenbeschreibungen mit GPS-Daten und weitere Fotos sind für jeden Tourentag bei gps-tour.info hinterlegt:
Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag

aktualisiert: 25.04.2010 A.H.

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