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Drei schöne Skitourentage im Sellrain
(6. - 8. 4. 2014)

 
Der Winter zeigte sich in diesem Jahr an der Nordseite der Alpen von seiner besonders milden Art und trotzdem konnten wir am 6. April am Parkplatz in Lüsens im Sellraintal unsere Skier neben dem Auto anschnallen. Der Rucksack war gewöhnungsbedürftig, waren doch für drei Tage Proviant und die Hochtourenausrüstung zu bewegen.
Bereits nach einer halben Stunde waren wir an der Materialseilbahn angekommen, wo wir unsere Rucksäcke ablegen konnten, um sie zum auf 2273 m hoch gelegenen Westfalenhaus bringen zu lassen. Einige zogen jedoch die sportliche Variante vor und behielten die Rucksäcke am Rücken.  Nach knapp zwei Stunden waren wir bereits am Westfalenhaus. Der Hüttenwirt Rinaldo empfing uns sehr freundlich in der schön auf einem Bergrücken gelegenen Hütte, die vor nicht langer Zeit von der Sektion Münster vorbildlich renoviert wurde. Nach kurzer Rast machten wir uns trotz nebligem Wetter und nassem Schnee auf den Weg Richtung Winnebachjoch, welches wir dank der Spuren nach 1 ½ Stunden erreichten (2788 m). Wir – Herbert und Judith, Franz Schmid, Sepp Berger,  Thomas Pensler, Raimung Moser und Heini Riesemann – gedachten nun unserem leider heftig erkrankten Michael Kerle – der als Tourenleiter diese Tour nicht antreten konnte. Die Vorbereitung war aber so perfekt, dass ich es wagte, die Tourenleitung zu übernehmen.
Dank der großartigen 50 m weiten Fernsicht zogen es Judith, Herbert und Raimund vor, zur Hütte zurück zu kehren. Wir hofften auf die richtige Wetterprognose und setzten den Aufstieg Richtung Winnebacher Weißkopf (3185 m) fort. Dank der klaren Felsformationen fanden wir trotz des Nebels den Weiterweg und nach einer guten Stunden waren wir am Skidepot. Der steile Anstieg zum Gipfel war ohne Steigeisen möglich, da gute Trittstufen in dem teils harten Schnee geschlagen waren. Kurz vor dem Gipfelkreuz die Sensation. Die Sonne empfängt uns, rund herum unzählige, tief verschneite Dreitausender. Obwohl schon später Nachmittag, machten wir in der wärmenden Sonne noch eine angenehme Gipfelrast. Auf uns wartete noch eine fast 1000 Hm lange Abfahrt, zuerst über Pulverschnee, dann teils Nasschnee. So war der erste Tag doch noch erfolgreich, was wir mit einem feinen Essen und ein paar Schluck Weißbier gebührend feierten.
 
2. Tag. Unser Ziel, Längentaler Weißer Kogel (3218 m). Nach einem reichhaltigen Frühstück erwartete uns ein wolkenloser, tiefblauer Himmel. Zuerst mussten wir von der Hütte ca. 100 Hm auf harschigem Schnee einen  heiklen Hang hinunter ins Langental.
Dann langsam steigend auf fest gefrorenem Schnee hinauf zum Langentaler Ferner, von dem nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist. Spalten konnten wir keine erkennen und so gingen wir unangeseilt. Im oberen Teil erwartete uns noch herrlicher Pulver, wo sich der Gletscher hinter dem Bachfallenkopf bis zum Fuß unseres Tageszieles hin zieht. Die letzten Meter gingen wir zu Fuß unschwierig zum Gipfel. Wir waren nun 3 ½ Stunden unterwegs. Auf dem Gipfel hatten wir eine traumhafte Rundumsicht auf die Stubaier Alpen. Nach einer guten Gipfelbrotzeit machten wir uns auf den Weg zur Abfahrt. Schon nach den ersten Schwüngen im Pulver war klar, den Hang fahren wir nochmals. Auf Höhe 2700 m fellten wir nochmals auf und stiegen bis zum Langentaljoch (2991 m) auf, Thomas, Sepp und Franz gingen noch bis zum unverspurten Grat.
Wir genossen unsere zweite Abfahrt. Am Rastplatz erkannten wir ein paar Skifahrer, die von Osten kommend eine steile Rinne abfuhren. Bei genauerem Blick in die Karte erkannten wir die hintere Brunnenkogelrinne, ein möglicher Durchstieg vom Längentaler Ferner zum Lisenser Ferner. Die Neugierde war ungebremst und so machten sich Sepp, Franz und ich auf den Weg, die Rinne zu erkunden. Es erwartete uns eine 40 bis 50o steile Schneerinne über 400 Hm. Überwiegend die Skier auf dem Rücken erreichten wir nach ca.  1 Std. den Ausstieg, wo es noch eine kleine Felspassage zu überwinden galt. Plötzlich vor uns die Weite des Lisenser Ferner auf Höhe von 3124 m. Sepp hatte noch nicht genug. Er legte die erste Spur in den endlos scheinenden Gletscher und erreichte nach einer ¾ Stunde den Hinteren Brunnenkogel. Wir rüsteten uns derweil für die Abfahrt, im oberen Teil war noch ein wenig zu klettern. Die ersten Schwünge kosteten Überwindung, aber dann ermöglichte uns der feste Pulver eine sichere Abfahrt hinunter ins Längental. Wir stellten fest, die Rinne darf nur bei sicheren Verhältnissen befahren werden, ein Sturz könnte verhängnisvoll werden.
Im Längental erwartete uns noch Firnschnee. Mit schon schweren Beinen - wir hatten schon über 2000 Hm zurückgelegt -   war nochmals der Aufstieg zur Hütte zu überwinden. Mit einem kühlen Weissbier erholten wir uns von dem langen, aber sehr schönen Skitourentag.
 
3.Tag. Tagesziel war der Große Seeblaskogel (3235 m), für Judith, Herbert und Raimund der Winnebacher Weißkogel.
Wegen der schwierigen Abfahrt von der Hütte ins Langental bei hartem Schnee zogen es Judith, Herbert und Raimund vor, den Winnebacher Weißkogel über das Winnebachjoch zu besteigen. Dieser Gipfel war für sie noch offen, da sie am ersten Tag nur bis zum Joch aufgestiegen waren.
Wir rutschten wiederum ins Langental ab und machten uns bei noch schönem Wetter auf Richtung Seeblaskogel. Nach einer halben Stunde flachen Anstieg wurde es richtig steil, aber bereits aufgefirnter Schnee machten den Anstieg gut erträglich. Wir gewannen rasch an Höhe. Vom Tatzen Ferner konnten wir nicht mehr viel feststellen. Bereits nach 3 Stunden waren wir am Skidepot, der restliche steile Aufstieg zum Gipfel war wegen des lockeren Schnees ohne Schwierigkeit zu bewältigen. Wieder wurden wir mit einem herrlichen Rundumblick belohnt. Unsere Kameraden waren zur gleichen Zeit auf dem Winnebacher Weißkogel und wir konnten uns per SMS zurufen.
Eine schöne Abfahrt bei Firnschnee belohnte den steilen Aufstieg. Um 12.30 Uhr trafen wir wieder gemeinsam am Westfalenhaus ein.
Wir bedankten uns beim Hüttenwirt Rinaldo für die ausgezeichnete Bewirtung und machten uns auf den Weg für die Talabfahrt nach Lüsens. Der bereits tiefe Schnee mahnte zur Vorsicht. Judith versuchte noch per Salto den Almgrund zu erforschen, aber es war noch zu viel Schnee im Talboden, so dass wir dies den späteren Besuchern überließen oder, wenn wir diese Berge mal im Sommer besuchen, nachholen wollen.
 
H.R.


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aktualisiert: 24.04.2014 A.H.

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