Tourenbericht
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Tourenbericht zur Skitour "Eisgraben"
vom 12.05.2002

Kurz vor halb neun Uhr, gerade rechtzeitig zum ersten Schiff dieses Tages, ist unsere Tourengruppe komplett. Um das heutige Ziel den "Eisgraben" zu erreichen müssen wir eine nicht ganz alltäglichen Anfahrtshilfe nutzen: die Elektroboote der Bayerischen Seenschifffahrt. Wir stehen am Steg in Königssee. Ganz billig ist die Überfahrt nicht, obgleich vor neun Uhr ein Guten-Morgen-Ticket gelöst werden kann. Ohne den sonst üblichen Touristeninformationen mit integriertem Königsseetrompetenecho und gerne gesehenem Trinkgeldobolus, steuern wir in gut einer Dreiviertelstunde nach St. Bartholomä. Schon auf halber Schiffsstrecke hat man einen phantastischen Einblick auf unsere Tour. Eingebettet zwischen Watzmann und Hachelkopfschneid zieht der Steilhang von der Eiskapelle bis knapp zur 2000m-Grenze. Das "Scheffe" ist zu 70 Prozent von Tourengehern belegt: unsere Gruppe ist gut 30 Frau/Mann stark und sonst sind auch noch etwa 15 Passagiere mit Ski unterwegs.

Angekommen in St. Bartholomä müssen wir erst einmal die Skier an den Rücksack binden, denn hier ist vom Winter nichts mehr zu spüren, ja blickt man sich von hier aus um, erscheinen die Skier gar fehl am Platz. Noch ist es ruhig hier, aber die Vorbereitungen für den Tag lassen vermuten wie der Massenansturm, heute noch verstärkt durch die Vatertagsausflügler, diese Idylle in einigen Stunden verändern wird. Kitschige Souvenierartikel, orginal geräucherte Seeforellen, Brotzeit und Bier werden dann feilgeboten und lassen den Rubel rollen.

Für uns heißt es aber jetzt: nix wie weg. Wir kehren dem Wallfahrtsort den Rücken und spazieren in Richtung Eiskapelle direkt auf die hoch aufragende Watzmann-Ostwand zu. In etwa gut einer Stunde erreichen wir über Stock, Bach und Stein die unterste Schneezunge, dem Beginn der eigentlichen Skitour. Anzumerken ist hier, daß heuer im unteren Teil sehr viel weniger Schnee anzutreffen ist als im Vergleich zu den Jahren davor, was dazu führt das die Tragestrecke etwas länger wird.

Eine so große Gruppe wie die unsere zieht sich auseinander und so sind die Vordersten schon hinter dem ersten Aufschwung verschwunden als die Letzteren noch mit dem Anschnallen der Skier beschäftigt sind. Auf bestem Altschnee geht es eng zwischen Felsen empor, vorbei am einem kochenden Wasserfall bevor sich die Felsen zurückziehen und der weitläufige, leicht schräge Hang des Eisgrom erreicht ist. In zahlreichen Spitzkehren zieht die weitere Aufstiegsspur am Hang aufwärts, bis endlich nach weiteren gut eineinhalb Stunden der Brotzeitplatz erreicht ist.

Für die meisten von uns ist hier die Tour zu Ende. Um den Sattel zwischen Watzmann und Hachelkopfschneid zu erreichen müssen noch etwa 100 Hm durch eine enge, steile Rinne aufgestiegen werden. Mit den Skiern am Rucksack stapfen wir höher und erreichen kurz darauf den höchsten Punkt. Der Sattel ist ein Aussichtplatz per excellence: nach Süden über das hinter Wimbachgries zu Trischübel, Steinerne Meer und Loferer Seilergraben., zurück nach Norden der tiefe Blick hinaus auf den Königssee mit Jenner und Göll im Hintergrund, und das bei bestem Wetter und Sicht.

Der erste Schwung bzw. Sprung wieder hinab in die steile Rinne erfordert ein wenig Mut, aber dann geht's in engen und engsten Schwüngen bei besten Schneeverhältnissen zurück zum Brotzeitplatz wo jetzt auch alle anderen Nachzügler von unten eingetroffen sind. Mit einer Halben Bier und einer anständigen Brotzeit genießt man von dieser Aussichtsterrasse immer wieder die grandiose Aussicht.

Nach dem Gruppenphoto folgt die Abfahrt. Bei gut aufgefirnten Verhältnissen ziehen wir nebeneinander unsere weiten Schwünge hinab. Grandioser kann die Kulisse nicht sein. Links die Watzmann-Ostwand, rechts die Abstürze der Hachelköpfe und vor einem der Tiefblick zum See. So kommen wir wieder rasch hinab zum Startpunkt. Hier heißt es wieder Skier schultern und Abmarsch zurück nach St. Bartholomä.

Gleich unterhalb der untersten Schneezunge ist der reisende Gletscherbach zu queren und da passierts: Einer unserer Gruppe verliert das Gleichgewicht, stürzt in die Fluten und wird einige Meter weit mitgerissen. Resultat: Verletzungen am Knie und Nase, Rucksack und Kleidung patschnaß. Schnell wird klar, daß der Betroffene mit dem angeschlagenen Knie nicht bis ins Tal kommt und so rufen wir mittels Handy die Bergrettung. Die meisten von uns sind schon auf dem Rückmarsch, einige bleiben noch hier.

Bis zum Behelfslandeplatz der Watzmann-Ostwand gelingt noch mehr recht als schlecht der Abstieg. Es dauert etwa eine Dreiviertelstunde bis wir das Geräusch des herannahenden Hubschraubers ausmachen und kurze Zeit später setzt er am Landeplatz auf. Der Rettungssanitäter bestätigt uns, daß wir mit dem Notruf richtig gehandelt haben und der Verletzte wird auf die Trage gepackt. Kurze darauf steigt der Hubschrauber knatternd auf und verschwindet im Einschnitt des Königssees in Richtung Krankenhaus.

Wir packen alles zusammen und machen uns auf den Weg. Zurück in St. Bartholomä erwartet uns die restliche Gruppe, die natürlich bereits längst bei der wohlverdienten Maß Bier sitzt. Neugierige Blicke der massig vorhandenen Touristen mustern uns - wo kommen die den her? . Auch wir genehmigen uns noch schnell eine Maß bevor wir uns in die Schlange am Bootssteg einreihen. Das Schiff bringt uns zurück nach Königssee und noch einmal tut sich der Blick zurück auf den Eisgrom auf. Alle in allem, abgesehen vom Zwischenfall bei der Bachquerung, eine gelungene Tour.

insgesamt 30 Teilnehmer
Bericht und Photos Martin Staller

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aktualisiert: 12.12.04 A.H.

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