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Bergradeltour in Graubünden
20. – 22.August 2004

Samstag [110 km, 3350 Hm, 8:25 Std.]

Es ist noch stockfinster, kalt und es regnet als wir um kurz nach 4:00 Uhr von Oberteisendorf aufbrechen. Einzig der Wetterbericht kann motivieren und der sagt besseres voraus; und er sollte auch recht behalten. Wir sind zu Sechst (Franz und Sepp R., Heini M., Simon K., Albert und Martin S.), und zum Ausgangspunkt unserer diesjährigen Bergradl-Tour nach Ischgl fahren wir mit dem VW-Bus. Auf der Fahrt bei Landeck als die Nacht der Dämmerung weicht und der Blick freier wird auf die umliegenden Berge ist klar, dass die höheren Gipfel bereits mit Schnee angezuckert sind - und das Mitte August!

Kurze Zeit später sind wir auf einem Parkplatz in Ischgl [1350 m]. Radl herrichten, umziehen und packen, dann kann’s losgehen. Um ca. 7:30 Uhr nehmen wir die ersten Rampen auf einer Skiabfahrt gleich hinter dem Parkplatz und schrauben uns über Serpentinen eine Schotterstraße hinauf. Teilweise über Asphalt und dann auf einer Kiesstraße fahren wir über die Bodenalpe immer ansteigend entlang des Fimbertales zur Heidelberger Hütte [2264m]. Bei der Auffahrt regnet es nicht nennenswert, doch haben einige von uns aufgrund von zahlreichen Bachquerungen nasse Füße, und dies bei einer Lufttemperatur von 3° (saukalt war‘s).

Nach gut 1 ½ Stunden sind wir auf der Heidelberger Hütte und wärmen uns in der gemütlichen Stube bei Suppe und Tee. Ein Blick aus dem Fenster verrät, dass der Regen jetzt in Schneefall übergegangen ist. Dennoch packen wir nach kurzer Rast den Anstieg zum Fimberpass [2608m]. Der Weg zum Pass ist nur teilweise fahrbar und so schieben wir meist auf feuchtfröhlicher Piste in einer halben Stunde zur Passhöhe. Lange halten wir‘s hier heroben nicht auf und so pretschen wir nach nur kurzer Schiebepassage auf der anderen Talseite einen Traumtrail hinab. Die wenigen Biker die wir überholen, fahren alle zur Uina-Schlucht, wir biegen bei Griosch ab und trailen durch die Klamm Val Sinestra und über Sent ins Inntal nach Scuol [1240m].

Über die Innbrücke beginnt der nächste Anstieg. Über einen lichten Arvenwald, wir sind jetzt bereits im Schweizer Nationalpark, fahren wir über die öffentliche Straße bis zum kleinen, urigen Bergdorf S-charl [1810m]. Beim Dorfwirt genehmigen wir uns nochmals eine Gerstensuppe und ein Bier. Nach der Aufwärmpause radl‘n wir durchs landschaftliche zauberhafte Hochtal dem Pass da Costainas [2251m] entgegen. Zuerst bis zur Alpe Astras noch auf der Forststraße, dann bis zur Passhöhe auf einem voll fahrbarer Weg. Jetzt ist es auch merklich wärmer geworden und im Süden sind am Himmel einige blaue Flecken auszumachen.

Die Abfahrt nach Lü vergeht wie im Fluge und aufgrund der fortgeschrittenen Stunde beraten wir ob hier genächtigt wird oder ob wir noch einen Pass in Angriff nehmen sollen um zum eigentlichen Etappenziel am Lago Fraele zu kommen. Wir fahren weiter. Mit kleinen Gängen, teilweise Gegenwind aber jetzt mit hin und wieder ein paar Sonnenstrahlen schaffen wir auch diesen Anstieg und stehen um ca. 19 Uhr am Pass Döss Radond [2234m] dem Beginn der Abfahrt durchs Val Mor

Das Val Mora bietet eine taumhafte Abfahrt in schönster Naturlandschaft. Ab der Forststraßenabzweigung geht’s stetig bergab auf Wiesenwegen und Singltrails, da kommt Freude auf. Und so gelangen wir nach rasanter Fahrt über die italienische Grenze (Cruschetta) zum Stausee Lago Fraele und sind erst mal glücklich als wir kurz nach 20:00 Uhr unserer Räder am Refugio Fraele an die Wand stellen und in die Gaststube eintreten. Klein und gemütlich siehts hier aus und als wir um eine Unterkunft für die Nacht fragen, antwortet der junge Wirt nur irgendwas von „tuti completto voll“. Kurzerhand organisiert der Wirt per Telefon in der Nachbarschaft eine Bleibe für uns, und so fahren wir doch noch widerwillig das letzte Stück über die Staumauer ans Ostende des Sees, nach La Bocchetta [1900m].

Endlich nach knapp 110 km und 3400 Hm können wir vom Rad steigen. Wir finden Platz in einem kleinen, neu renoviertem Nebengebäude. Währende wir uns duschen und umziehen bereitet der Koch unser Abendmenü vor. Scheinbar sehen wir recht ausgehungert aus, denn der Wirt zaubert wirkliche eine herzhaften Radlerschmaus auf den Tisch. Pasta, Gnocchi, Schnitzel mit Funghi, gemischter Salat und Pfirsiche, dazu ein paar halbe Bier – was will man mehr. Einige von uns, allen voran Albert und Sepp, sind kurz nach dem Essen so müde, dass sie am Tisch einschlafen; wir schicken sie besser ins Bett. Wir übrigen trinken noch die ein oder andere Halbe sind dann aber auch froh als wir den Anderer ins Nachtlager folgen.


Der Fimberpass im Schnee

Auf dem Weg zum Passo Trella

Auffahrt zum Chaschauna-Pass

Sonntag [67 km, 2300 Hm, 6:30 Std.]

Um halb Acht sind wir wieder auf den Beinen. Wolkenloser Himmel und die ersten Sonnenstrahlen lassen die gestrigen Anstrengungen schnell vergessen. Das Frühstück knüpft vom Umfang her nahtlos an das Abendmenü an und so sind wir bestens gestärkt als wir um ca. halb Neun zur nächsten Etappe aufbrechen.

Zurück zur großen Staumauer befahren wir nun das Südufer des Lago Fraele. Eigentlich wollten wir über den Passo Alpisella nach Livigno, doch aufgrund eines Insider-Tipps tags zuvor soll der parallel verlaufende Passo Trela ein echtes Highlight sein. So kurbeln wir zuerst auf relativ steilen Rampen inmitten schönster Umgebung, vorbei an der Alpe Trella zur Passhöhe [2295m]. Die Auf- und Abfahrt, da sind wir uns alle einig, ist das Beste was man bergradlmäßig fahren kann. Beste Pisten, präpariert für die 2005 stattfindende Mountainbike-WM in Livigno, lassen jedes Radlerherz höher schlagen - eine geniale Auffahrt und ein Traumtrail hinab zum Stausee nahe Livigno. Nur unterbrochen von einem technischen Defekt, wiedereinmal an Heini’s Bike.

Trotz Sonntag ist in Livigno einiges los, auch die meisten Geschäfte haben geöffnet  und so versorgen wir uns mit Lebensmittel, während Heini einen neuen Mantel für sein Bike aufzieht. Nachdem alle verstaut ist radl’n wir ins Valle di Federia und zum Beginn des nächsten Anstieges, dem Pass Chaschauna.

Schon von unten weg steilt sich die Schotterpiste derart auf, dass jeder aus dem Sattel geht. Sogar Simon kapituliert nachdem er schon einiges der Strecke zähneknirschend hinter sich gebracht hat. Halb schiebend und halb fahrend erreichen wir aber dann doch relativ rasant das Refugio TCI [2600m]. Von hier aus bietet sich eine hervorragende Aussicht: Das Ortlermassiv im Westen, schroffe schweizer Berge im Süden bis hin zur „Schlafenden Hexe“. Nach Bier, Kaffee, Suppe und Cola nehmen wir die letzen paar Meter zur Passhöhe [2694m], dem Cimo Coppi, der höchste Punkt unserer Rundtour.

Auf der anderen Seite, an der bei meinem letzen Besuch an fahren nicht zu denken war, wurde auch dieser Weg ansatzweise so hergerichtet, dass doch nun das meiste fahrbar ist. An dieser Stelle sei ein Lob an die italienischen und schweizer Verantwortlichen ausgesprochen, die Trend der Zeit erkannt haben und so einiges für Bergradlfahrer auf die Beine gestellt haben und noch stellen; bei uns zuhause bedarf es da noch an einiger Überzeugungskraft um die engstirnigen Blickwinkel mancher angeblicher Wanderer und Bergsteiger zu weiten. Zurück auf der Piste steigen einige von uns zwar unsanft über den Lenker ab, darunter die Rehrl-Brüder, doch kommen wir doch alle mehr oder weniger unversehrt auf der unteren Almwiese an. Hier legen wir eine Pause ein und vertilgen die eingekaufte Brotzeit.

Vorbei an der Alpe Chaschauna geht’s nun in rasanter Fahrt hinunter ins Inntal, das wir in der Nähe von S-Chanf queren und unmittelbar darauffolgend das nächste Tal hinein radeln. Auch dieser Anstieg zuerst durch den kleinen Ort Susauna [1601m] und dann durchs Val Susauna hinauf zur Alm Funtauna ist landschaftlich höchst reizvoll. Das letzte Stück hinauf zum Pass Scalettapass [2606m] ist nur mit Schiebepassagen zu bewältigen, dafür ist aber auf der Nordseite wieder ein Trail vom Feinsten angesagt. Um kurz vor sieben Uhr sind am Etappenziel in Dürrboden [2007m] und kurze Zeit später sind die Lager zugeteilt und wir sitzen beim Abendessen. Pasta bis zum Abwinken, dazu eine riesige Schüssel gemischter Salat. Dazu heute ein paar Bierchen (0,58 l) mehr. Heute war die Fahrleistung anscheinend zu wenig, denn keiner schläft am Tisch ein.


Einkehrschwung auf 2600 m

Auf der Passhöhe des Chaschauna-Passes (2694 m)

Abfahrt vom Chaschauna-Pass

Montag [88 km, 2350 Hm, 5:45 Std.]

Nach dem abermals umfangreichen Frühstück rollen wir heute zuerst mal talauswärts, hinunter nach Davos [1560m]. Von Davos hätten wir mehr erwartet, doch nur touristische Bettenburgen machen den Ort nicht ansprechend und so radeln wir weiter am Davoser See vorbei zur Anhöhe Wolfgang [1631m]. Ab hier geht’s auf breiter Hauptstraße hinunter nach Klosters und weiter nach Klosters-Dorf [1124m].

Bis hierher haben wir zwar schon einige Kilometer zurückgelegt doch richtig anstrengend wird’s erst ab hier. Von der Abzweigung steigt die schmale Asphaltstraße durch den Schlappiner Tobel kräftig an, und schnell ist keinem mehr kalt. Das Bergdorf Schlappin [1658m] liegt in idyllischer Lage am Rande einer Hochebene mit See. Leider ist hier Schluss mit Radln und die letzen knapp 600 Höhenmeter zum Passübergang sind nur zu Fuß zu bewältigen. Um ca. 11:30 Uhr stehen wir am Schlappiner Joch [2202m].

Hier treffen wir mal ausnahmsweise noch andere Biker, die uns aber mitteilen dass auch die Nordseite nicht zu befahren ist. So schieben wir bis zur Forstraße hinab, nochmals gut eine halbe Stunde. Die Abfahrt hinunter nach St. Gallenkirch [870m] genießen wir in vollen Zügen und bleiben nur einmal stehen. Vor dem letzen Anstieg machen wir in einer Pizzeria halt und bunker Kohlenhydrate für den restlichen Tag. Mit vollen Mägen machen wir uns an die Auffahrt in Richtung Silvretta Hochalpenstraße, die wir aber kurz nach der Mautstelle verlassen und auf einer teils steilen Versorgungsstraße zum Kopps-Stausee bringt. Unterbrochen wurde die Auffahrt nur durch einen Hubschauberabsturz der quer über der Forststraße liegt. Über eine kurzen Umweg und einer nochmaligen Schiebepassage konnten wir die Unfallstelle umgehen. Nach kurzer Rast an der Staumauer rollen wir die letzten Höhenmeter zum Zeinisjoch [1842m].

Über eine Nebenstraße gelangen wir hinab nach Galtür. Auf der Hauptstraße angekommen hält uns nichts mehr und wir fahren im Stil eines Mannschaftszeitfahrens hinaus nach Ischgl. Am Parkplatz angekommnen schließt sich der Kreis unserer dreitägigen Bergradltour durch Graubünden. Nach der Heimfahrt genießen wir auf der Terrasse beim Schneck in Neukirchen den Sonnenuntergang und bei ein paar Bier die Highlights der Tour noch mal Revue passieren zu lassen.


Auffahrt ins Val Susauna

Auf dem Scaletta-Pass (2608 m)

Gruppenbild vor dem Kopps-Stausee

Martin Staller

 

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aktualisiert: 28.01.05 A.H.

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